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Kompost für Sonderkulturen


Im Spargelanbau ist Kompost der ideale Ersatz für Stallmist
 

Drastisch verschärfte Grenzwerte für Schwermetalle sieht ein Konzept der Bundesregierung für Kompost, Klärschlamm und auch Gülle vor. Der Großteil der organischen Naturdünger müsste danach teuer entsorgt werden.

Auf Gut Forstmannshof hält Betriebsleiter Eberhard Böcker aber eine ganze Menge von Grünkompost. Der Betrieb im münsterländischen Lüdinghausen ist ebenso experimentierfreudig wie erfolgreich. Seine Devise lautet, dass ökologische und ökonomische Daten gleichzeitig stimmen müssen. Zu dieser Balance trägt der eingesetzte Kompost sehr viel bei.

"Ich habe einen normalen Betrieb", redet Eberhard Böcker nicht lange drum herum, sondern kommt gleich auf das Wesentliche. Und das sind für ihn Spargel, Erdbeeren und Himbeeren. Im Austausch mit Getreide. Der Eigentümer des 100 ha-Forstmannshofes ist, wie an dem Standort durchaus zu vermuten wäre, weder Schweinemäster noch Maisanbauer, sondern bewirtschaftet seinen Betrieb mit Sonderkulturen und Brennerei.

Damit aber ist die Liste der Spezialitäten auf dem Forstmannshof noch nicht abgeschlossen. Neben der Grunddüngung zu den gängigen Ackerkulturen auf den schwach humosen Sanden wird intensiv gütegesicherter Fertigkompost zum Preis bis 6 €/m3 in Sonderkulturen eingesetzt, geliefert vom Hersteller im Nachbarort.

Der Naturdünger soll den Humusanteil erhöhen und das Bodenleben stimulieren. "Als viehlos wirtschaftender Ackerbaubetrieb fehlt uns der Stallmist", begründet Böcker diese Entscheidung. Kompost mit seiner N-Verfügbarkeit von gerade einmal zehn Prozent sieht er dabei nicht in Konkurrenz zur mineralischen Düngung. "Dazu wären die Ausbringkosten auch viel zu hoch."

 

Kreislaufprodukt Kompost

Der Betriebsleiter hat es also nicht in erster Linie auf die Nährstoffe im Kompost abgesehen. Vielmehr kommt es ihm bei seinen zwischen 15 und 60 Bodenpunkten streuenden Flächen vor allem auf den organischen Anteil an und damit auf die Humusbildung. Der Ackerbau bereitet auf seinen Flächen einiges Kopfzerbrechen und deshalb ist der Münsterländer vor zehn Jahren auf die kleinflächigeren Sonderkulturen gekommen: Spargel, Erdbeeren, Himbeeren auf 30 ha. Dabei ist auch der Tausch mit Flächen der Nachbarn eingeplant, jedenfalls müssen es immer wieder neue Flächen sein.

Das Einarbeiten von Kompost vor dem Spargelpflanzen steht dabei im Vordergrund. Aber auch die Beeren kommen nicht zu kurz. So hat der Betrieb bei den Erdbeeren gerade einen ganzflächigen Versuch mit der Gabe von 15 m3/ha abgeschlossen. Mehr war nicht nötig, denn die Böden waren in sehr gutem Versorgungszustand.

 Himbeerkultur
 
Bei den Himbeeren, ein persönliches Steckenpferd des Betriebsleiters, wird dieses Jahr mit dem Einarbeiten von Kompost in die Pflanzreihen gefahren.
 

So erhält die ursprüngliche Waldpflanze einen optimalen Standort. Speziell der Wurzelbereich wird komfortabel ausgestattet. Bei Spargel und Erdbeeren arbeitet ein Lohnunternehmer den Kompost in die obere Bodenschicht ein. Komplizierter ist die Kompostgabe bei Himbeeren. In ersten Versuchen wurden pro laufendem Meter 30 bis 40 Liter Kompost in der Reihe ausgebracht und damit die Durchwurzelungszone abgedeckt. Wie später einmal hektarwelse verfahren wird, steht noch nicht fest. Es spricht einiges dafür, dass der Spargelpflug die Einarbeitung übernimmt. Anschließend werden die Wälle mit schwarzer Folie abgedeckt, um den Herbizideinsatz niedrig zu halten.

Mit der Dammkultur wird ein wesentlich trockenerer Standort geschaffen, Staunässe vermieden und die Infektionskette der Phytophthora-Wurzelfäule unterbrochen. Und dabei versteht es sich von selbst, dass in den Dämmen Tröpfchenbewässerung installiert ist. So können die Nährstoffgaben, zeitlich nach Bedarf gesteuert, verabreicht werden. Je höher der Humusanteil ist, umso vitaler ist die Pflanze.

Eberhard Höcker berichtet von Schlägen mit 1,5 bis 2 Prozent Humusanteil, er bewirtschaftet aber auch welche mit 4 bis 5 Prozent. Alle Flächen gehören Versorgungsstufe C an, mit pH-Werten um 5,5. Obwohl diese sandigen Flächen von Natur aus nass sind, bleiben die Pflanzen bei guter Versorgung mit Kompost vital und sterben nicht ab. Der Betriebsleiter spricht von einem Umkehrschluss: "Wenn wir Grünkompost mit niedrigem Salzgehalt reinpacken, schaffen wir eine so optimale Umgebung für die Wurzel, dass die Ruten mehr Früchte bringen und im Endeffekt eine längere Lebensdauer haben."

 

Gütegesicherte Ware

Wenn Böcker einmal bei den Himbeeren ist, mag er sich nicht so gern wieder davon trennen. Bevor die gepflanzt werden, steht Kalkung auf dem Programm. Ohne Tröpfchenbewässerung gäbe es überhaupt keine Chance, mineralischen Dünger an Ort und Stelle zu bringen. Entscheidend: weil es wegen der Folie keine natürlichen Auswaschungen mehr gibt, hat die Pflanze einen gleichbleibenden Nährstoffvorrat, den sie über eine längere Zeit nutzt. Es ist wie beim Spargel. Den düngt man auch nur einmal zu Beginn der Vegetation.

Die Gütegemeinschaft Kompost e.V.
Böcker: "Jede weitere Kompost-, jede weitere Mistgabe steigert die Gefahr eines Befalls mit der Bohnenfliege."

 

Vor dem Pflanzen der Spargelkultur gilt es, die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Zuerst wird der Kompost eingearbeitet, danach stellt Böcker mit der Kalkung den nötigen Bodenpuffer her und dann entfaltet sich die allmähliche Wirkung vom Kompost. Am besten ist das bezeichnet mit dem Gleichklang von Entzug und Zufuhr. Die Verfügbarkeit sieht Böcker denn auch als den herausstechenden Pluspunkt von Kompost zu Spargel mit gleichzeitig verbesserter Bodenstruktur und Wasserhaltefähigkeit sowie gleichmäßigem Nährstofffluss.

Risiken kann der Betriebsleiter nicht erkennen. Er setzt Kompost ein, der von der Bundesgütegemeinschaft Kompost e. V in Köln ein Prüfsiegel erhalten hat.

 

Auch seine Ansprüche an die Optik sind hoch: Beispielsweise haben Plastik und Glas in noch so verschwindend geringen Anteilen in Erdbeer-Anlagen nichts zu suchen. Böcker: "Früher haben wir den Kompost als Nährstofflieferanten gesucht, heute nutzen wir ihn als Bodenverbesserer. Versuche in der Schweiz belegen sogar, dass Kompost krankmachende Keime im Boden unterdrückt.

Prompt hat der Landwirt an mehreren Stellen in kranken Himbeerreihen Kompost ausgebracht und wartet ab, wie sich das im Frühjahr entwickelt. Weitere kompetente Ratgeber sind die Landwirtschaftskammer und Fortbildungen, "wo solche Erkenntnisse dann herüberwachsen." Wieder rückt er die Spezialität Himbeere in den Vordergrund: "Für unsere Verhältnisse sehe ich jetzt eine Chance, diese Kultur auf unseren nassen Böden langfristig anbauen zu können."

 

Mehr Humus bringt Vorteile

 

Erheblich robuster ist die Erdbeere, gar nicht zu reden vom Rhabarber, weil diese Kultur keine so hohen Ansprüche stellt und eine kurzfristigere "Dauerkultur" ist. Der Betriebsleiter weiß alles über organische Düngergaben, aber als ausgesprochener Kompost-Fan will er trotzdem nicht angesehen werden. Das ist ein Versuch, bei dem ich davon überzeugt bin, dass er erfolgversprechend ist. Ich brauche praktische Ergebnisse", sagt er kühl abwägend. Das sei vergleichbar mit einer Grippe. Man kann sich Penicillin spritzen lassen, und dann geht die Fieberkurve runter. Wenn man aber vorher mehr Vitamine isst, bekommt man die Grippe erst gar nicht. "Kompost ist wie ein Vitaminstoß für die Pflanzen." Aber die Nährstoffgehalte sollten möglichst knapp gefasst sein - und der Preis dürfe auf keinen Fall steigen.

 

Unter'm Strich 10 mal mehr

 

Zur Mineraldüngung: Spargel wird nach Maßgabe des N-Gehalts im Boden nach Stechende gedüngt, und zwar ab dem dritten Anbau 100 bis 120 kg N/ha. Das raten auch die Landwirtschaftskammern. Erdbeeren haben zwei Sollwerttermine: im zeitigen Frühjahr mit 30 bis 10 kg N/ha. Dabei soll die Düngung nicht über diesen Wert hinausgehen, weil erhöhte N-Gaben zu weichen Früchten führen. Im Herbst 60 kg N/ha, um die Anlage von Blütenknospen zu fördern. Bei Überschreitung bilden Erdbeeren zuviel Blattmasse. Himbeeren brauchen etwa 80 kg N/ha/Jahr. Für Rhabarber gilt der Sollwert 100 kg N/ha/Jahr.

Zu den Deckungsbeiträgen: Bei Spargel, Erd- und Himbeeren liegen die Deckungsbeiträge mindestens zehn mal so hoch wie bei normalen Ackerkulturen. In Faustzahlen sind das zwischen 6 500 und 15 000 €⁄ha.

 


Quelle: dlz 6/ 2003






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