Abfall-ABC


Zurück

Stoff Name Computer
Art / Kategorie Elektronikschrott 
Detailierte Beschreibung
Elektronikschrott wird bei der Sperrmüllabfuhr separat eingesammelt
Die Computerbranche ist einer der dynamischsten Wirtschaftsbereiche. Geräte veralten innerhalb von zwei, drei Jahren, die Nachfolgegeneration bringt die doppelte Leistung zum halben Preis. Lohnen da noch Reparaturen? Selbst Neulinge schaffen sich statt Gebrauchtgeräten neue an.

100.000 Tonnen ausgedienter Computer und Peripheriegeräte fallen dieses Jahr nach durchschnittlich vierjähriger Nutzung als Abfall an, bei Steigerungsraten von jährlich 5 bis 10%.

Schick soll ein PC sein, eine Menge Rechenleistung bieten und nicht so laut rumoren - klar! Computer-Technik gilt als "sauber". Dass diese Einschätzung nicht stimmt, erkennt man spätestens beim Computerabfall. Analysen ermittelten von Blei- bis Cadmium-Verbindungen und von chlor- bis bromhaltigen Substanzen zahlreiche giftige Inhaltsstoffe. Erschreckend ist, dass selbst die Hersteller bei 70% der Bauteile deren Zusammensetzung nicht kennen.

Computer-Technik gilt als "sauber" - ist sie bisher aber nicht!
Nur wenige Computerhersteller werden ihrer Produktverantwortung gerecht und nehmen Altgeräte zurück. Der Landkreis Schweinfurt trägt die Verantwortung in der Abfallentsorgung und lagert seit 1994 Computerabfall und sonstigen Elektronikschrott nicht mehr auf seiner Deponie ab. Bei der Sperrmüllabfuhr wird Elektonikschrott separat gesammelt. Demontagebetriebe entfernen und entsorgen schadstoffhaltige Bauteile. Metalle wie Eisen, Aluminium, Kupfer, Silber, Palladium und Gold werden wiedergewonnen. Außerhalb der Sperrmüllsammlung kann privater Elektronikschrott kostenlos am Wertstoffhof des Abfallwirtschaftszentrums Rothmühle abgegeben werden.

Doch jetzt hält auch hier "öko" Einzug und Hersteller wittern einen neuen Markt: Eine Bericht der United Nations University in Tokio brachte an den Tag, was den meisten Fachleute schon lange klar ist: Die Herstellung eines Computerchip erfordert einen enormen Energieeinsatz. Während das Verhältnis fossiler Brennstoff- und Chemikalienverbrauch zum Eigengewicht des Endprodukts bei einem Pkw 2:1 beträgt, liegt das Verhältnis bei einem Mikrochip bei 630:1!

Hinzu kommt, dass das, was schließlich in einer Metallbox unter Millionen von Schreibtischen kauert, bedenkliche Inhaltsstoffe hat.

Kann auch "sauber" und sparsam sein...
Doch nicht nur bei Produktion und Entsorgung ist der PC ein Problemkind, sondern auch im Betrieb: Immer schnellere Prozessoren verbrauchen immer mehr Strom. Der Nutzer stört sich indessen nur am Lärm der zahlreichen Kühllüfter, ohne die manch moderner Prozessor kaum 15 Sekunden überlebensfähig bleibt. Diese Abwärme ist nichts anderes als ein Energieverlust.

Was beim Energiesparen drin wäre, führt die Industrie mit großem Eifer bei der Entwicklung mobiler Chipsätze vor. Beim Laptop ist der Prozessor nämlich in der Energiebilanz mit nur zehn Prozent Verbrauchsanteil ein echter Musterknabe. Durch ein Verbrauchsmessgerät lässt sich der Energiebedarf des Desktop-Prozessors hingegen schnell entlarven: Während ein Pentium-4-System mit 3,06 GHz ohne nennenswerte Prozessorlast mit 70 Watt auskommt, steigt der Verbrauch bei rechenintensiven Aufgaben auf 140 Watt an.

Blaue Engel für den Umwelt-Bengel: Das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) in Sankt-Augustin bei Bonn prüft Anträge zur Erteilung des Umweltschutz-Signets "Blauer Engel". Aktuell weist die Datenbank nicht einen einzigen PC-Hersteller als Umweltengel aus. Doch der mit der Antragsprüfung beschäftigte Dr. Javier Sang beruhigt: "Grund ist nicht ein Desinteresse der Industrie, sondern die Reglementänderungen im Juni 2002, die nun seit Anfang 2003 Gültigkeit haben. Erst jetzt gibt es die ersten Neuerteilungen."

Den "Blauen Umweltengel" gibt es in den Kategorien PC, Monitore und Tastaturen. Zu den ehemaligen Signetträgern gehörten die PC-Hersteller Dell, Fujitsu-Siemens, HP, Actebis, Peacock und Toshiba. Bei den Monitorherstellern ist die Firma LG im Begriff eine Erteilung zu bekommen, und bei den Tastaturen ist Cherry mit dabei.

Die neuen Kriterien für einen Blauen Engel sehen nun vor, dass Leiterplatten keinerlei polybromierte Biphenyle (PBB) und polybromierte Diphenyle (PBDE) oder Chlorparaffine mehr enthalten dürfen. Der Energieverbrauch muss ACPI-Standard genügen und das Arbeitsgeräusch darf 40 dB(A) nicht überschreiten. Für Monitorhersteller ist der geforderte Energieverbrauch beim so genannten "Schein-Aus" von unter einem Watt eine kritische Hürde.

Das ökologische Engagement brauchte ein wenig Nachhilfe: Ganz ohne politischen Druck gab sich die Branche eher unbeweglich. Der EU-Verordnungs-Entwurf "WEEE" (Waste of electric and electronic equipment) des Umweltausschusses verpflichtet die Mitgliedstaaten nun, dafür zu sorgen, dass bis 2006 keinerlei Elektro- und Elektronikgeräte mehr im Hausmüll landen. Am 13. Februar 2003 wurde der Entwurf im Amtsblatt der europäischen Union unter dem Titel "Richtlinie 2002/96/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar 2003 über Elektro- und Elektronik-Altgeräte" veröffentlicht. Damit ist die Sache "amtlich" und die Frist läuft für eine der Umsetzung in nationale Gesetzgebungen. Spätestens in 18 Monaten muss die Richtlinie in den EU-Ländern umgesetzt sein.

Ab Januar 2008 sollen dann Blei, Quecksilber, Cadmium und polybromierte Phenyle sogar ganz aus Elektrogeräten verschwinden. Das EU-Amtsblatt definiert nur wenige Ausnahmen, etwa dort, wo aus technischer Sicht ein Ersatz der geächteten Stoffe noch nicht möglich ist; prüft aber regelmäßig die technische Machbarkeit, um die bestehenden Ausnahmen weiter zu dezimieren. In den USA wurde der EU-Vorstoß zwar kontrovers diskutiert, doch die Reaktion der japanischen und europäischen Hersteller hat Fakten am Markt geschaffen, denen sich die US-Produzenten nicht verschließen können. (in Teilen nach: spiegel-online v. 27.02.03)

Informieren Sie sich vor dem nächsten PC-Kauf über "Green PCs". Das erpart Ihnen nicht nur bedenkliche Stoffe in Ihrem Arbeitszimmer, sondern während der Betriebsdauer auch eine Menge Energiekosten. 

Verwerterliste
VerwerterOrtTelefonEmailURL 
Abfallwirtschaftszentrum Rothmühle  Bergrheinfeld  09721 / 388 544-0  abfallberatung@lr...  http://www.ihr-um...  Detail
Daten-Ex (Marion Voll)  Wonfurt  09521/951211  info@daten-ex.de  http://www.daten-...  Detail




Zurück